Was ist das schlimmste was passieren kann, wenn es nicht klappt? Ein Interview mit Rosa Bergmann


Eva Keiffenheim
Eva Keiffenheim
Was ist das schlimmste was passieren kann, wenn es nicht klappt? Ein Interview mit Rosa Bergmann

Rosa Bergmann, 26, ist Gründerin der Vienna Hobby Lobby. Das Social Startup bietet kostenlose Freizeitkurse für Jugendliche aus sozial benachteiligten Schichten an. Durch diese sollen Jugendliche die Fähigkeiten entwickeln, die sie ihr Leben lang nutzen werden. Die Vienna Hobby Lobby hat vier Standorte in Wien und eröffnet derzeit einen weiteren Standort in Innsbruck. Auch Ober- und Niederösterreich folgen in Kürze. Die Vienna Hobby Lobby hat bereits knapp 1500 Jugendliche mit knapp 130 Kursen in 90 verschiedenen Hobbies erreicht.

Wie bist du auf die Idee der Vienna Hobby Lobby gekommen?

Die Idee ist in der Schule entstanden, während meiner Zeit bei Teach for Austria. Ich bin darauf gekommen, dass es den Jugendlichen am Nachmittag oft langweilig ist. Gleichzeitig gab es nicht genug Angebot für sie. Ich habe mit verschiedenen Kolleg*innen darüber gesprochen und auch an anderen Schulen war das Problem sehr ähnlich. 

Die Idee kam also durch die Identifikation des Problems. Dann habe ich gemeinsam mit anderen über eine Lösung nachgedacht und ausprobiert. Wir haben daraus dann ein Projekt gemacht, und wollten es gemeinsam aufbauen. Dabei war nie geplant, dass es ein riesiges Unternehmen wird.

Was hat dir im Gründungsprozess geholfen?

Am meisten geholfen hat, einfach mal zu tun und loszustarten. Im zweiten Schritt braucht es dann Unterstützung. Zum Beispiel haben wir beim Social Impact Award eingereicht. Dort haben wir sehr viele Tipps zur Professionalisierung erhalten. Auch mit Leuten zu sprechen, die die Gründungserfahrung selbst gemacht haben, hat super geholfen.

Wie hast du dein Team gefunden?

Ich habe damals eine E-Mail im Teach for Austria Netzwerk rausgeschickt und gefragt, ob jemand Interesse hat, das Projekt aufzubauen. Dann haben sich vier tolle Leute gemeldet und so ist das dann unser Team entstanden. 

Was waren die größten Schwierigkeiten bei der Skalierung deines Unternehmens?

Am Anfang war es sehr schwierig ökonomisch leistbare Räumlichkeiten zu finden. Außerdem war das Durchhalten sehr herausfordernd. Im ersten Jahr habe ich versucht so viele Türen einzutreten, aber wir wurden noch nicht ernst genommen. Es ging alles nur step-by-step, da musste ich selbst und auch das Team durchhalten.

Außerdem gibt es Herausforderungen im Miteinander und auch im Fundraising. Man soll ein Social Business sein, aber vielleicht auch am Markt Geld verdienen und auch Förderungen einreichen. Es kann alles und nichts sein, es gibt kein richtig und falsch. Meiner Meinung nach fehlt es noch an Infrastruktur für soziale Unternehmer*innen. Es war für uns herausfordernd festzulegen, wie wir uns platzieren wollen. 

Das initiale Fundraising war ebenfalls herausfordernd. Der Gewinn beim Social Impact Award war damals zu Beginn 3000€, aber unser Jahresbedarf heute liegt mittlerweile bei 300,000€. Das sind andere Summen die man fundraisen und finden muss.


Was hat dir im ersten Jahr geholfen dran zu bleiben?

Mir hat sehr geholfen zu sehen, wie sehr die Kinder das Angebot annehmen und wie glücklich es sie macht. Zu sehen, dass die Idee an sich funktioniert hat mich motiviert dran zu bleiben. 

Außerdem habe ich von Anfang an an den Erfolg geglaubt. Das erste Jahr war nicht einfach. In dem Zeitraum hat mir die Frage geholfen “Was ist das schlimmste was passieren kann, wenn es nicht klappt?” Dann funktioniert es eben nicht und ich suche mir einen neuen Job. Nach einem Jahr ging es uns dann zum Glück finanziell recht gut.

Man redet viel zu wenig darüber, dass es Gründerinnen psychisch oft nicht so gut geht. Und ich hatte im ersten Jahr auch viele Panikattacken. Es ist nicht zu unterschätzen wie schwierig und hart solche Jobs auch sein können. Nicht jede Idee geht auf. Es gibt auch Ideen die scheitern und Leute die nicht lange genug durchgehalten haben und dann aufgeben.

Man muss gut überlegen, warum man gründet. Es macht keinen Sinn zu “gründen um zu gründen.” Man sollte auf jeden Fall eine Idee haben, in welche Richtung man etwas verändern möchte. Wenn das gut zu dem passt, was das Problem eigentlich ist, dann braucht man Geduld.

Welche allgemeinen Tipps kannst du angehenden Gründer*innen mitgeben?

Es ist auf jeden Fall ratsam nicht zu schnell gründen, nur weil man gründen möchte. Die richtige Idee kommt schon noch. Wenn man ein Gefühl dafür hat, dann kommt sie zu einem richtigen Zeitpunkt in deinem Leben. 

Ist es das Projekt für das ich brenne? Brenne ich dafür und begeistert es mich von ganzem Herzen? Was haben andere in dem Feld gemacht? Wie macht man eine gute Wirkungsmessung? Kann ich in Seminare gehen, um mir Dinge anzueignen? 

Man muss nicht alles neu erfinden und auch nicht in allem schon Expert*in sein. Nach 2-3 Jahren hat man ein ganzes Universum neu entdeckt. Ich konnte vorher schon ein bisschen Rechnungswesen, aber ich habe noch nie eine Wirkungskette erstellt. Die Kompetenzen eignet man sich dann an.

Es gibt auch großartige Acceleratoren und Begleitprogramme, zum Beispiel bei Bildünger, oder bei der MEGA Academy, oder beim Founding Programm vom Impact Hub – da haben wir viel gelernt. Auch eine Mentorin und ein Mentor helfen total.

Was hätte ich dich noch fragen sollen?

Man sollte sich nicht den Spaß am Gründen nehmen lassen und lustvoll heran gehen –  auch mit der Gefahr zu scheitern. Motiviert sein, etwas falsch machen zu können und sich nicht zu viel davor zu fürchten. 90% der Dinge vor denen ich Angst hatte sind nicht eingetroffen. Desto jünger man ist, desto weniger man zu verlieren hat – und desto eher kann man Risiko eingehen. 

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