Sei mal verrückt - Eine Reflexion von Martin Rudolf


Eva Keiffenheim
Eva Keiffenheim
Sei mal verrückt – Eine Reflexion von Martin Rudolf

Martin Rudolf entschied während seiner Schulzeit, sein Unternehmen an seinem 18. Geburtstag im Mai 2019 zu gründen. Seit letztem Jahr arbeitet er als Junior Programm Manager am Gründungszentrum der Wirtschaftsuniversität Wien. Für die Teilnehmenden der Youth Entrepreneurship Week hat er im Folgenden über seinen unternehmerischen Werdegang reflektiert.


Sobald Leute mich kennenlernen, halten sie mich für verrückt. Betrachtet man das Wort verrückt, so beschreibt es etwas auf auffällige Weise Ungewöhnliches. Etwas, dass nicht in die gängige Spur passt und von der Norm abweicht. Etwas, das eben ver-rückt ist.

Ehrlicherweise war verrückt und außergewöhnlich sein nicht immer einfach für mich. Rückblickend, auch wenn ich nicht gerne zurückblicke, war dieses Attribut in der Volksschule und Mittelstufe eher leidbringend als Flügel hebend.

Alles hat aber ein Ende, nur die Wurst hat zwei und der richtig spannende Anfang meiner Geschichte beginnt erst jetzt. Die Lebensjahre 0 bis 14 überspringend finden wir uns im September 2015 in der Schulgasse 4 im südburgenländischen Oberwart wieder. Hier befindet sich die Handelsakademie Oberwart, ein Ort der für mich in den nächsten fünf Jahren mehr ein Zuhause als ein einfacher Lernort sein wird. Ich hatte eine dunkelblaue Chino, knöchelhohe graue Schuhe, ein blaues Hemd unter einem hellgrauen Rundhalspullover an und darüber trug ich eine dunkelblaue Steppweste. Meine blonden Locken hängten mir in die Stirn, innerlich war ich ungeheuer aufgeregt und mir war an diesem Spätsommertag in meinem herbstlichen Outfit viel zu heiß. Der Hitze trotzend war es mir in meinem pummeligen Auftritt und mit meinem schiefen Lächeln schlichtweg wichtig, dass ich mich wohl fühle und selbstbewusst rüberkomme. Ich spürte, dass meine Zeit in den nächsten fünf Jahren kommen wird.

Die Jahre vergingen. Im ersten Jahr durfte ich als Schülervertreter meine Klasse vertreten, im zweiten Jahr bereits meine Schule und im dritten Jahr schließlich das ganze Burgenland. Hier durfte ich an einem landesweiten Anti-Mobbing-Konzept mitarbeiten und merkte, dass aktive Partizipation enorm viel bewirken kann.

Diese Mehr-Tun-Als-Nötig-Ist Mentalität konnte ich ab der dritten Klasse im Zweig Entrepreneurship vertiefen. Mir wurde klar, dass ich entdeckt habe, was und wer ich bin: Ein Entrepreneur. Jemand, der die Welt durch seine unternehmerische Tätigkeit verändern kann und will. Jemand, der die Extrameile geht.

Entrepreneurship auch praxisrelevant zu leben, das bedeutete in meiner Schule das Ausarbeiten eines Businessplans und die Entwicklung von Geschäftsideen. Es folgte eine hitzige, und die bis heute einzige, Diskussion mit meinem Lehrer aufgrund meiner Inkompatibilität mit den anderen Gruppen. Er sah mich wohl einfach als sturen Schüler und beschloss schlussendlich, dass ich allein eine Idee ausarbeiten darf. Mir ging es darum, meine Dinge ordentlich und mit voller Hingabe zu machen. Seinen Vertrauensvorschuss wusste ich zu schätzen, er spornte mich förmlich an. Ich steckte Nachmittage, Abende und Wochenenden in meine Idee. Unzählige Arbeitsstunden und einige Montage später stellte ich fest, dass meine Idee schön ist, ich sie aber nicht sofort in der Realität umsetzen kann. Das Grübeln setzte sich fort und wie es die Bestimmung wollte, waren wir als Klasse beim Entrepreneurship Summit 2018 in Wien. Dieser Tag war einer, der mein Leben veränderte. Mir wurde erstmals klar, dass ich nicht durchgeknallt verrückt bin, sondern einfach nur ein Schüler war, der nach dem Konzept von Entrepreneurship Education unterrichtet werden wollte. Es fiel hier auch die Entscheidung, dass ich mein erstes Unternehmen an meinem 18. Geburtstag im Mai 2019 gründen werde.

Zurück in Oberwart sah ich meine damalige Idee und schmiss sie über Bord. Es ging sich nie im Leben aus, dass ich eine solche Idee in wenigen Monaten bis zu meinem 18. Geburtstag marktreif entwickle. Unsere Business Pläne sollten wir innerhalb eines Jahres fertigstellen, nach dem halben Jahr Arbeit fing ich nun wieder von vorne an. Das halbe Jahr Arbeit holte ich in drei Wochen nach. Ich war besessen von der neuen Idee, Kleidung nicht nur anzuhaben, sondern bewusst zu tragen. Mir fiel auf, wie schrecklich Fast Fashion und alle seine Begleiterscheinungen sind. Nachhaltigkeit und Entrepreneurship begann ich zu lieben und zu leben. Mit dem Jahreswechsel von 2018 auf 2019 wurde ich Veganer. Ich musste wissen, wie sich Nachhaltigkeit in den verschiedenen Perspektiven des täglichen Lebens anfühlte.

Mittlerweile war es Jänner 2019. Noch 4 Monate hatte ich Zeit bis zur Gründung. Durch meine vegane Lebensweise ergab es sich, dass Bananen ein fixer Bestandteil meiner Ernährung wurden. Der Unternehmensname fiel dann schnell auf die unzähligen Bananen, die ich aß: mybanana. Es fehlte aber noch etwas. So schön und gut meine Absichten waren, der rote Faden blieb noch aus. Von einem Brandstifter der Ideen bekam ich dann das direkte Feedback, dass meine Idee nicht gut sei. In meiner damaligen Euphorie war das eine Watsche ins Gesicht, die ich dringend gebraucht habe. Es folgte ein enormer Fokus auf Storytelling, mir fiel auf wie wichtig Lebensfreude ist. Die Menschen sollen Banane werden, das Leben genießen und manchmal einfach verrückt sein.

März 2019, die Gründung steht in zwei Monaten bevor. Ich bereite das eigentliche Produkt vor und mache unzählige Fehler, für die ich mein Leben lang dankbar sein werde.

April 2019, das letzte Monat. Die Website wird fertiggestellt, Social Media vorbereitet und nebenbei auch noch für das Unternehmen meiner Mutter gearbeitet. Kurze Nächte, enorme Aufregung und der Wille, die Welt zu verändern stehen an der Tagesordnung. Am 24. April geht es noch zum Fest der Ideen in Wien. Mein Business Plan wurde als der beste im Burgenland auserkoren, mein Pitch mit einem einzigartigen Jury-Preis ausgezeichnet. Hat sich die damalige hitzige Diskussion mit meinem Lehrer wohl doch gelohnt.

März 2019, die Gründung steht in zwei Monaten bevor. Ich bereite das eigentliche Produkt vor und mache unzählige Fehler, für die ich mein Leben lang dankbar sein werde.

April 2019, das letzte Monat. Die Website wird fertiggestellt, Social Media vorbereitet und nebenbei auch noch für das Unternehmen meiner Mutter gearbeitet. Kurze Nächte, enorme Aufregung und der Wille, die Welt zu verändern stehen an der Tagesordnung. Am 24. April geht es noch zum Fest der Ideen in Wien. Mein Business Plan wurde als der beste im Burgenland auserkoren, mein Pitch mit einem einzigartigen Jury-Preis ausgezeichnet. Hat sich die damalige hitzige Diskussion mit meinem Lehrer wohl doch gelohnt.

Der 2. Mai 2019. Die Website geht final online. Ich bin nervös. Was soll ich jetzt noch tun? Morgen habe ich Schularbeit, dafür sollte ich noch lernen. Was passiert jetzt mit meinem Leben. Wie starten wir die Kampagne im Herbst, die ich gewonnen habe? Ich esse zwei Bananen, stelle damit den Fokus wieder her. Ich checke nochmal die Website, ob alles funktioniert. Blicke zurück auf das wilde letzte Jahr. Die Uhr zeigt 23:00 Uhr an, ich sitze in meinem als Lager umfunktionierten ehemaligen Kinderzimmer und gehe schlafen.

Verdammt, morgen ist Schularbeit. Und 18. Jahre werde ich auch alt. Und Unternehmer werde ich, der jüngste im Burgenland sogar.

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