Was ist das schlimmste was passieren kann, wenn es nicht klappt? Ein Interview mit Rosa Bergmann


Eva Keiffenheim
eva-maria-keiffenheim.1024x1024
pexels-afta-putta-gunawan-1250346

Rosa Bergmann, 26, ist Gr├╝nderin der Vienna Hobby Lobby. Das Social Startup bietet kostenlose Freizeitkurse f├╝r Jugendliche aus sozial benachteiligten Schichten an. Durch diese sollen Jugendliche die F├Ąhigkeiten entwickeln, die sie ihr Leben lang nutzen werden. Die Vienna Hobby Lobby hat vier Standorte in Wien und er├Âffnet derzeit einen weiteren Standort in Innsbruck. Auch Ober- und Nieder├Âsterreich folgen in K├╝rze. Die Vienna Hobby Lobby hat bereits knapp 1500 Jugendliche mit knapp 130 Kursen in 90 verschiedenen Hobbies erreicht.

Wie bist du auf die Idee der Vienna Hobby Lobby gekommen?

Die Idee ist in der Schule entstanden, w├Ąhrend meiner Zeit bei Teach for Austria. Ich bin darauf gekommen, dass es den Jugendlichen am Nachmittag oft langweilig ist. Gleichzeitig gab es nicht genug Angebot f├╝r sie. Ich habe mit verschiedenen Kolleg*innen dar├╝ber gesprochen und auch an anderen Schulen war das Problem sehr ├Ąhnlich. 

Die Idee kam also durch die Identifikation des Problems. Dann habe ich gemeinsam mit anderen ├╝ber eine L├Âsung nachgedacht und ausprobiert. Wir haben daraus dann ein Projekt gemacht, und wollten es gemeinsam aufbauen. Dabei war nie geplant, dass es ein riesiges Unternehmen wird.

Was hat dir im Gr├╝ndungsprozess geholfen?

Am meisten geholfen hat, einfach mal zu tun und loszustarten. Im zweiten Schritt braucht es dann Unterst├╝tzung. Zum Beispiel haben wir beim Social Impact Award eingereicht. Dort haben wir sehr viele Tipps zur Professionalisierung erhalten. Auch mit Leuten zu sprechen, die die Gr├╝ndungserfahrung selbst gemacht haben, hat super geholfen.

Wie hast du dein Team gefunden?

Ich habe damals eine E-Mail im Teach for Austria Netzwerk rausgeschickt und gefragt, ob jemand Interesse hat, das Projekt aufzubauen. Dann haben sich vier tolle Leute gemeldet und so ist das dann unser Team entstanden. 

Was waren die gr├Â├čten Schwierigkeiten bei der Skalierung deines Unternehmens?

Am Anfang war es sehr schwierig ├Âkonomisch leistbare R├Ąumlichkeiten zu finden. Au├čerdem war das Durchhalten sehr herausfordernd. Im ersten Jahr habe ich versucht so viele T├╝ren einzutreten, aber wir wurden noch nicht ernst genommen. Es ging alles nur step-by-step, da musste ich selbst und auch das Team durchhalten.

Au├čerdem gibt es Herausforderungen im Miteinander und auch im Fundraising. Man soll ein Social Business sein, aber vielleicht auch am Markt Geld verdienen und auch F├Ârderungen einreichen. Es kann alles und nichts sein, es gibt kein richtig und falsch. Meiner Meinung nach fehlt es noch an Infrastruktur f├╝r soziale Unternehmer*innen. Es war f├╝r uns herausfordernd festzulegen, wie wir uns platzieren wollen. 

Das initiale Fundraising war ebenfalls herausfordernd. Der Gewinn beim Social Impact Award war damals zu Beginn 3000ÔéČ, aber unser Jahresbedarf heute liegt mittlerweile bei 300,000ÔéČ. Das sind andere Summen die man fundraisen und finden muss.


Was hat dir im ersten Jahr geholfen dran zu bleiben?

Mir hat sehr geholfen zu sehen, wie sehr die Kinder das Angebot annehmen und wie glücklich es sie macht. Zu sehen, dass die Idee an sich funktioniert hat mich motiviert dran zu bleiben. 

Au├čerdem habe ich von Anfang an an den Erfolg geglaubt. Das erste Jahr war nicht einfach. In dem Zeitraum hat mir die Frage geholfen ÔÇťWas ist das schlimmste was passieren kann, wenn es nicht klappt?ÔÇŁ Dann funktioniert es eben nicht und ich suche mir einen neuen Job. Nach einem Jahr ging es uns dann zum Gl├╝ck finanziell recht gut.

Man redet viel zu wenig dar├╝ber, dass es Gr├╝nderinnen psychisch oft nicht so gut geht. Und ich hatte im ersten Jahr auch viele Panikattacken. Es ist nicht zu untersch├Ątzen wie schwierig und hart solche Jobs auch sein k├Ânnen. Nicht jede Idee geht auf. Es gibt auch Ideen die scheitern und Leute die nicht lange genug durchgehalten haben und dann aufgeben.

Man muss gut ├╝berlegen, warum man gr├╝ndet. Es macht keinen Sinn zu ÔÇťgr├╝nden um zu gr├╝nden.ÔÇŁ Man sollte auf jeden Fall eine Idee haben, in welche Richtung man etwas ver├Ąndern m├Âchte. Wenn das gut zu dem passt, was das Problem eigentlich ist, dann braucht man Geduld.

Welche allgemeinen Tipps kannst du angehenden Gr├╝nder*innen mitgeben?

Es ist auf jeden Fall ratsam nicht zu schnell gr├╝nden, nur weil man gr├╝nden m├Âchte. Die richtige Idee kommt schon noch. Wenn man ein Gef├╝hl daf├╝r hat, dann kommt sie zu einem richtigen Zeitpunkt in deinem Leben. 

Ist es das Projekt f├╝r das ich brenne? Brenne ich daf├╝r und begeistert es mich von ganzem Herzen? Was haben andere in dem Feld gemacht? Wie macht man eine gute Wirkungsmessung? Kann ich in Seminare gehen, um mir Dinge anzueignen? 

Man muss nicht alles neu erfinden und auch nicht in allem schon Expert*in sein. Nach 2-3 Jahren hat man ein ganzes Universum neu entdeckt. Ich konnte vorher schon ein bisschen Rechnungswesen, aber ich habe noch nie eine Wirkungskette erstellt. Die Kompetenzen eignet man sich dann an.

Es gibt auch gro├čartige Acceleratoren und Begleitprogramme, zum Beispiel bei Bild├╝nger, oder bei der MEGA Academy, oder beim Founding Programm vom Impact Hub – da haben wir viel gelernt. Auch eine Mentorin und ein Mentor helfen total.

Was h├Ątte ich dich noch fragen sollen?

Man sollte sich nicht den Spa├č am Gr├╝nden nehmen lassen und lustvoll heran gehen –  auch mit der Gefahr zu scheitern. Motiviert sein, etwas falsch machen zu k├Ânnen und sich nicht zu viel davor zu f├╝rchten. 90% der Dinge vor denen ich Angst hatte sind nicht eingetroffen. Desto j├╝nger man ist, desto weniger man zu verlieren hat – und desto eher kann man Risiko eingehen. 

Melde dich an!

Trage dich in unseren Newsletter ein und wir schicken dir 1x im Monat die wichtigsten Neuigkeiten zur Youth Entrepreneurship Week.

Daten werden verarbeitet...

Viel Spa├č mit den News zur Youth Entrepreneurship Week!

Related posts

Design ohne Titel
Das Lean Canvas Business Model: Dein Schl├╝ssel zum Unternehmertum
Clara Mrkos
Wie du Jugendliche auch nach der Week noch unterst├╝tzen kannst!
Success Story dogether x Stephanie Cox
austrianstartups
Wie du Jugendliche auch nach der Week noch unterst├╝tzen kannst!
Success Story YEW x Samantha Tady
austrianstartups
Wie du Jugendliche auch nach der Week noch unterst├╝tzen kannst!
Success Story YEW x Canva
austrianstartups

Stay up to date!


Trage dich in unseren Newsletter ein und wir schicken dir 1x im Monat die wichtigsten Neuigkeiten zur Youth Entrepreneurship Week.

Daten werden verarbeitet...

Viel Spa├č mit den News zur Youth Entrepreneurship Week!